Inhaltsverzeichnis
 

1 Zusammenfassung

2 Projektplan

3 Anforderungen an die Neuentwicklung

3.1 Marktrecherche

3.2 Befragung potentieller Kunden

3.3 Anforderungsliste

4 Funktionsanalyse und Morphologie 4.1 Funktionsplan

4.2 Morphologie

4.3 Vor- und Nachteile einzelner Lösungsmöglichkeiten zum Abstützen

Dreirad
Vierrad
Raupenfahrwerk
Scherenprinzip mit 2 Armen in einer Ebene
Scherenprinzip mit 3 Armen in 3 Ebenen
Scherenprinzip mit 4 Armen in 2 Ebenen
Zwei Radpaare an den Ecken eines Tetraeders
Mit Bürsten im Kanal abstützen
Mit Saugnäpfen
Magnetisch festhalten
4.4 Vor- und Nachteile inzelner Lösungsmöglichkeiten zum Erzeugen des Vortriebs
5 Lösungsauswahl

6 Berechnungen

6.1 Lagerlebensdauerberechnug der Radlager

6.2 Zylindrische Presspassung

7 Das Produkt 7.1 Gesamtaufbau

7.2 Verspannmechanismus

7.3 Antrieb und Lenkung

7.4 Kameras mit Beleuchtung

7.5 Arbeitsmodul zum Bürsten

8 Methodenkritik 3D CAD 8.1 Kosten eines 3D CAD-Systems

8.2 Nutzen eines 3D Systems

9 Literaturverzeichnis

10 Fertigungsunterlagen ( Nicht im Netz verfügbar )
 
 
 
 

1 Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wird der Weg von einer vagen Aufgabenstellung zu den Fertigungsunterlagen eines neuen Produktes beschrieben. Die Aufgabe war es, ein Gerät zur Inspektion und Wartung von Klimakanälen zu entwickeln.

Der erste Schritt ist die Aufstellung eines Projektplans, indem die einzelnen Projektschritte und der geplante Zeitaufwand für diese aufgestellt sind. Danach wird die Marktsituation beschrieben. Mittels Befragung potentieller Kunden und Sichtung von Herstellerunterlagen von Lüftungsbaufirmen wird eine Anforderungsliste erarbeitet. Für einen Überblick über die benötigten Funktionen des zu entwickelnden Produktes wird ein Funktionsplan erstellt. Eine mittels der Brainwriting Methode erstellte Morphologie liefert die Grundlage für die darauffolgende Phase der Lösungsbewertung und Auswahl. Im nächsten Schritt wird ein parametrisches Modell des Luftkanalroboters LuRo auf dem in der Firma neu eingeführtem 3-D CAE System Unigraphics Solutions erstellt. Parallel dazu werden einige Berechnungen zur Dimensionierung von kritischen Teilen des LuRo durchgeführt.

Das Ergebnis der Arbeit sind die aus dem 3-D Modell abgeleiteten Fertigungsunterlagen mit fertigungsgerechter Bemaßung, sowie die Stücklisten der einzelnen Module. Der LuRo ist ein sehr flexibel einsetzbares und modular aufgebautes Gerät für den harten gewerblichen Dauereinsatz. Er bietet die Möglichkeit Luftkanäle zu befahren, zu inspizieren und Arbeitsgeräte kontrolliert und Kamera überwacht an ihrem Einsatzort zu befördern. Zusammen mit der entwickelten Bürsteinheit ist der LuRo eine gute, brauchbare und schnelle alternative zu den bisher verwendeten Techniken.

Die bei der Einführung des 3-D Systems aufgetretenen Probleme und errungenen Vorteile werden kurz in Abschnitt 8 Methodenkritik 3-D CAD zusammen gefaßt.

Diese Diplomarbeit entstand in Zusammenarbeit mit der Firma DTI Dr. Trippe Ingenieurgesellschaft mbH, die Roboter zur Sanierung von Abwasserkanälen und die zugehörigen Einsatzfahrzeuge entwickelt. Das Konzept der Firma ist es robuste Geräte herzustellen die einfach zu bedienen und wartungsarm sind. Der neue LuRo kann an dem vorhandenen Mobilsteuerstand, der für Abwasserkanalroboter benutzt wird, angeschlossen werden.

     
2 Projektplan

Der Projektplan für die Entwicklung des Gerätes zur Inspektion und Wartung von Luftkanälen wird in Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung und dem Leiter der Konstruktion von DTI erstellt. Er gliedert sich wie folgt:

1 Erstellung der Anforderungslist
   Zeitbedarf ca. 3 Wochen

2 Funktionsanalyse und Erstellung einer Morphologie für die wichtigsten Teilfunktione
   Zeitbedarf ca. 4 Wochen

3 Bewertung der verschiedenen Lösungsansätze
   Zeitbedarf ca. 3 Wochen

4 Detaillierte Konstruktion des ausgewählten Lösungsvorschlags
   Zeitbedarf ca. 16 Wochen 5 Bau eines Prototyps
   Zeitbedarf ca. 4 Wochen 6 Nach Fertigung eines Prototyps Inbetriebnahme und erste Tests
   Zeitbedarf ca. 2 Wochen
 

3 Anforderungen an die Neuentwicklung


In diesem Kapitel wird beschrieben, auf welchem Weg die Anforderungsliste für die Aufgabe entsteht.
 

3.1 Marktrecherche

Um eine Grundlage für die spätere Lösungsbewertung und Auswahl zu haben, und um die Entwicklungsziele festzulegen, ist es unumgänglich sich einen Überblick über die Marktlage zu verschaffen. Zu diesem Zweck werden
 
  1. potentielle Kunden befragt, die schon länger im Bereich der Klimaanlagenwartung tätig sind.
  2. im Internet nach bereits vorhandenen Konkurrenzprodukten im Bereich der Luftkanalwartung gesucht.


Der Stand der Technik im Bereich der Kanalreinigung ist: Die vorhandenen Verschmutzungen in den Luftleitungen von Klimaanlagen werden mit einfacher Bürstentechnik gelöst und mit Hilfe eines am Ende der Rohrleitung angeschlossenen großen und leistungsstarken Staubsaugers aus der Anlage entfernt. Zu Bürsten werden oft flexible Wellen eingesetzt. Die Vorteile dieser Hilfsmittel sind die einfache Bedienung und die geringen Anschaffungskosten. Die Nachteile sind jedoch, daß der Staubsauger schwer zu transportieren ist, daß man sämtliche Abzweigungen und Lüftungsgitter zwischen Bürstwerk und Staubsauger verschließen muß, und daß die Reichweite dieser Systeme aufgrund der Strömungsverluste in den Kanalrohren sehr begrenzt ist. Außerdem ist zur Dokumentation des Reinigungserfolges ein zweiter Arbeitsgang mit einer Kamera erforderlich. Die Kamera wird dazu an einem Kabelaal, oder einem Roboterfahrzeug montiert.
Im Bereich der Roboterfahrzeuge zur Luftkanalreinigung sind nur zwei nennenswerte Produkte vorhanden. Zum einen der Bandy II von der Firma AirTec GmbH und zum anderen das Fahrzeug der Firma Danduct. Sie sind in den folgenden Abbildungen zu sehen. Zu beiden Systemen sind auch Anbaumodule zum Bürsten erhältlich. Bei der Befragung von Firmen, die diese Produkte einsetzen, ergibt sich jedoch, daß diese Roboterfahrzeuge sehr störanfällig sind. Außerdem werden die angebotenen Bürstmodule in der Praxis selten eingesetzt, da sie zu unflexibel und zu leistungsschwach sind.

Abbildung 1: Roboterfahrzeug Bandy II

Abbildung 2: Roboterfahrzeug der Firma Danduct
 
 

3.2 Befragung potentieller Kunden

Um möglichst nahe an den Bedürfnissen des Marktes zu entwickeln, werden neben den Nachforschungen mit Hilfe des Internets auch mehrere Telefonate und persönliche Gespräche mit Firmen geführt, die im Bereich der Luftkanalsanierung tätig sind. Die folgenden Fragen sind die Schwerpunkte der Gespräche.Welche Rohrprofile soll ein zukünftiger Roboter befahren können ?
 
  • Welcher minimale Kurvenradius soll bewältigt werden?
  • Welche Steigungen sollen überwunden werden?
  • Welche sonstigen Hindernisse müssen überwunden werden?
  • Welche Reichweite soll das Roboterfahrzeug haben?
  • Welche Arbeiten sollen im Lüftungsschacht ausgeführt werden?
  • Was stört Sie besonders an den bisher eingesetzten Produkten?
  • Was gefällt Ihnen an den eingesetzten Produkten?
  • Haben Sie noch andere Wünsche, welche das Produkt erfüllen soll?
  • Wünschen Sie eher ein extrem zuverlässiges high end Produkt oder eher ein sehr einfaches und preiswertes Sparprodukt?
  • 3.3 Anforderungsliste

    Aus den Ergebnissen der Marktrecherche wird die nachfolgende Anforderungsliste für das neue Produkt abgeleitet, mit dem Entwicklungsleiter der Firma abgesprochen und genehmigt.

    Im Rahmen der Diplomarbeit liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung eines Basisgerätes für die in der Praxis am häufigsten vorkommenden Luftkanäle. Diese haben einen flachen rechteckigen Querschnitt und werden unter Zwischendecken montiert. Das Gerät muß jedoch auch einfach für die restlichen Querschnittsbereiche, die in der Anforderungsliste aufgelistet sind, umgerüstet werden können.
     
    1
    Geometrie Zu bewältigende Querschnitte Rund Ø300mm bis Ø600mm
    m
    Rechteck 250mm x 220mm bis  600mm x 600mm
    m
    Rund <Ø300mm
    w
    Rund >Ø600mm
    w
    Rechteck <250x220
    w
    Rechteck >600mm x 600 mm
    w
    Minimaler Kurvenradius 90°Bogen in Ø300mm Rohr
    m
    zu überwindende Hindernisse 1 cm Stufen
    m
    2 cm Stufen
    w
    Durchmessersprünge
    w
    Anbaumöglichkeit für Module zum Entstauben
    w
    zum Entfetten
    w
    zum Beschichten
    w
    zur Entfernung von Styropor
    w
    zur Entfernung verkrusteter Ablagerungen
    w
    2
    Kinematik Bewegung des Fahrzeugs vorwärts / rückwärts
    f
    Kurve links bzw. rechts
    f
    Steigung bis 45°
    m
    senkrecht
    w
    Geschwindigkeit >5m/Minute
    f
    stufenlos regelbar
    f
    Reichweite >50m 
    m
    >80m
    w
    3
    Statik und Dynamik darf Kanalrohre nicht verformen  
    f
    maximales Gewicht <30 kg
    m
    so leicht wie möglich
    w
    Stoßfest  
    w
    große Steifigkeit  
    w
    geringe Verformbarkeit
    w
    4
    Energie Elektrische Energie Spannung < 48 V
    m
    Pneumatische Energie Druck <10 Bar
    m
    Volumenstrom < 2 m³/min
    m
    Länge der Versorgungsleitung >50m
    m
    5
    Stoff alle Außenteile korrosionsfest
    f
    6
    Signal Fahrzeug Bewegungsrichtung
    f
    Geschwindigkeit
    f
    Störung
    f
    Position
    w
    Bilderfassung der Umgebung
    f
    Arbeitseinheit An / Aus
    f
    Bewegungsrichtung
    f
    Geschwindigkeit
    f
    Störung
    f
    Position
    w
    7
    Ergonomie Bedienung einfach
    f
    Umrüstung Schnell und einfach möglich
    f
    gar nicht nötig
    w
    8
    Herstellung Verwendung von möglichst vielen Teilen aus dem Firmensortiment
    w
    Montagefreundlich  
    w
    Reparaturfreundlich
    w
    9
    Gebrauch und Wartung Wasserdicht  
    w
    Explosionsgeschützt  
    w
    Wartung Wartungsintervalle >3 Monate
    m
    Wartungsfrei
    w
    10
    Kosten Herstellkosten < 10.000 DM
    m
    11
    Termin Fertigstellung Juni 2000
    w

     

    4 Funktionsanalyse und Morphologie
     

    4.1 Funktionsplan

       
    Der nächste Schritt nach der Aufstellung der Anforderungsliste ist es, einen Überblick über die benötigten Teilfunktionen zu erhalten und für diese eine Morphologie zu erstellen. Zu diesem Zweck wird der folgende Funktionsplan aufgestellt.
       


       
       

    4.2 Morphologie

    Teilfunktionen aus dem Funktionsplan wird die nachfolgende Morphologie aufgestellt. Um möglichst viele prinzipielle Lösungsmöglichkeiten zur späteren Auswahl zu erhalten, wird zusammen mit mehreren Kollegen die Brainwriting Methode angewendet. In den grau hinterlegten Feldern stehen die später für das Produkt ausgewählten Lösungsmöglichkeiten.

    In den auf die Morphologie folgenden Abschnitten werden die Vor- und Nachteile der einzelnen Lösungsmöglichkeiten für die wichtigsten Teilfunktionen Abstützen und Vortrieb erzeugen in Stichworten aufgelistet.

       

    4.3 Vor- und Nachteile einzelner Lösungsmöglichkeiten zum Abstützen

     

    Dreirad


    Vorteile:

    Nachteile:

    Vierrad


    Vorteile:

    Nachteile: Raupenfahrwerk

    Vorteile:

    Nachteile:

    Scherenprinzip mit 2 Armen in einer Ebene


    Vorteile:

    Nachteile:


    Scherenprinzip mit 3 Armen in 3 Ebenen

    Vorteile:

    Nachteile:


    Scherenprinzip mit 4 Armen in 2 Ebenen

    Vorteile:

    Nachteile:

    Zwei Radpaare an den Ecken eines Tetraeders


    Vorteile:

    Nachteile:


    Mit Bürsten im Kanal abstützen

    Vorteile:

    Nachteile:


    Mit Saugnäpfen

    Vorteile:

    Nachteile:


    Magnetisch festhalten

    Vorteile:

    Nachteile:

    4.4 Vor- und Nachteile einzelner Lösungsmöglichkeiten zum Erzeugen des Vortriebs

    Vortrieb mittels Zugseil


    Vorteile:

    Nachteile:


    Vortrieb durch angetriebene Räder

    Vorteile:

    Nachteile:

    Durch ein Schreitwerk


    Vorteile:

    Nachteile:


    Mit Raupenprinzip

    Vorteile:

    Nachteile:


    Durch das Rohr blasen

    Vorteile:

    Nachteile:

    5 Lösungsauswahl


    Zur Lösungsauswahl werden für drei günstig erscheinende Prinzipkombinationen die folgenden Tabellen aufgestellt. Sie enthalten für jede bedeutende Eigenschaft das Gewicht in einer Skala von 1 bis 3 (je größer desto wichtiger), die Wertigkeit in einer Skala von 1 bis 4 (je größer desto besser). Die Summe aus den gewichteten Wertigkeiten ist eine mögliche Grundlage für die Lösungsauswahl.
     

    Prinzipkombination A10, B1, C2, D3, E2, F1

    Fahrwerk mit Rädern an den Ecken eines Tetraeders, einer schwenkbaren Farbkamera, pneumatischer Verspannung und gelenkter Mittelsäule
     

       
      Eigenschaft
      Gewicht
      Wertigkeit
      Gewicht * Wertigkeit
      Geschwindigkeit
      2
      4
      8
      Positionierung
      3
      3
      9
      Vortrieb
      3
      4
      12
      Überwindung von Hindernissen
      2
      1
      2
      Überwindung von Durchmessersprüngen
      2
      1
      2
      Wendigkeit
      3
      2
      6
      Störsicherheit
      3
      3
      9
      Robustheit
      2
      3
      6
      Handhabung
      2
      3
      6
      Platz für Anbaumodule
      2
      3
      6
      Komplexheit des Aufbaus
      1
      4
      4
      Anpassung an verschiedene Rohrquerschnitte
      2
      2
      4
      Gesamtwertigkeit
      74
    Prinzipkombination A5, B1, C2, D1, E5, F1

    Zwei elektrisch angetriebene Vierradfahrwerke mit zwei schwenkbaren Farbkameramodulen, pneumatischer Verspannung und Panzersteuerung
     

       
      Eigenschaft
      Gewicht
      Wertigkeit
      Gewicht * Wertigkeit
      Geschwindigkeit
      2
      4
      8
      Positionierung
      3
      4
      12
      Vortrieb
      3
      4
      12
      Überwindung von Hindernissen
      2
      2
      4
      Überwindung von Durchmessersprüngen
      2
      1
      2
      Wendigkeit
      3
      3
      9
      Störsicherheit
      3
      3
      9
      Robustheit
      2
      2
      4
      Handhabung
      2
      2
      4
      Platz für Anbaumodule
      2
      2
      4
      Komplexheit des Aufbaus
      1
      1
      1
      Anpassung an verschiedene Rohrquerschnitte
      2
      3
      6
      Gesamtwert
      75

     

    Prinzipkombination A12, B6, C5, D3, E3, F3

    Pneumatisch angetriebenes Gerät, das sich mit Hilfe des Regenwurmprinzipes im Rohr festhält und fortbewegt, mit einer schwarz - weiß Infrarot Kamera
     

       
      Eigenschaft
      Gewicht
      Wertigkeit
      Gewicht * Wertigkeit
      Geschwindigkeit
      2
      1
      2
      Positionierung
      3
      4
      12
      Vortrieb
      3
      4
      12
      Überwindung von Hindernissen
      2
      2
      4
      Überwindung von Durchmessersprüngen
      2
      1
      2
      Wendigkeit
      3
      1
      3
      Störsicherheit
      3
      2
      6
      Robustheit
      2
      2
      4
      Handhabung
      2
      3
      6
      Platz für Anbaumodule
      2
      1
      2
      Komplexheit des Aufbaus
      1
      1
      1
      Anpassung an verschiedene Rohrquerschnitte
      2
      1
      2
      Gesamtwert
      56

     

    Für das Abstützen im Rohr kommt nur ein System in Frage, das einen sicheren Halt gewährleistet. Zum einem um sich deutlich von der Konkurrenz abzusetzen und zum anderen um bei leicht gebogenen Rohrleitungen genug Vortrieb für die geforderte Reichweite zu erzeugen.

    Saugnäpfe fallen zu diesem Zweck aus, da die Oberflächen in Lüftungsanlagen häufig nicht sauber genug sind, um ausreichend Haftkraft zu erzeugen. Ein weiteres, für Saugnäpfen sehr schwierig zu lösendes Problem, sind Stoßkanten zwischen den einzelnen Rohrteilen.

    Der Einsatz von Magneten ist in der Praxis auch kritisch, da nicht alle Rohre aus magnetischen Materialien bestehen. Magnete mit ebenen Oberflächen haften zudem nicht vernünftig an gekrümmten Rohroberflächen.

    Für den wirtschaftlichen Einsatz ist eine möglichst schnelle Fortbewegung und die Möglichkeit während der Bewegung zu arbeiten nötig. Deshalb kann nur ein System zum Einsatz kommen, das den sicheren Halt auch während der Bewegung gewährleistet. Ein Verspannen mit Ringen oder Bürsten ist aus diesem Grund eher unpraktisch.

    Die in geraden Abwasserkanälen bewährte Technik des Scherenfahrwerks ist zu lang und nicht wendig genug, um in Lüftungskanälen zum Einsatz zu kommen. Die Lösungen, die am praktikabelsten erscheinen, sind folglich einfache mit Rädern verspannte Fahrwerke.

    Deshalb wird eine Variante mit den Rädern an den Ecken eines Tetraeders und eine aus zwei Vierrad- Fahrwerken in die engere Wahl gezogen. Die in rechteckigen Querschnitten pfiffige Lösung mit dem Tetraederaufbau zeigte bei einem einfachen Test in Rundrohren ein sehr kritisches Fahrverhalten. Wegen der schwer zu realisierenden Lenkung und der kleinen Auflagefläche der Tetraederlösung wird die Lösung mit zwei Vierradantrieben bevorzugt.

    Aufgrund der einfachen Handhabung, und der verhältnismäßig flexiblen und leichten Zuleitungen sollen Elektromotoren eingesetzt werden. Eine Versorgung dieser Motoren aus Akkumulatoren ist aus Platz- und Gewichtsgründen, sowie der durch die Akkukapazität beschränkten Einsatzdauer nicht möglich. Pneumatische und hydraulische Energiebereitstellung hat den großen Nachteil der aufwendigen Versorgungsleitungen und der benötigten Pumpen bzw. Kompressoren im Steuerstand. Deshalb kommen sie für den Antrieb von Rädern in diesem Fall nicht in Frage, obwohl sie für ein Schreitwerk oder das Regenwurmprinzip nahezu ideal wären.

    Damit eine Versorgungsleitung um mehrere Kurven gezogen werden kann ist eine hohe Zugkraft erforderlich. Um bei einer möglichst kleinen Verspannkraft eine möglichst hohe Zugkraft zu bewirken, müssen alle Räder angetrieben werden. Dies gewährleistet zudem die Möglichkeit, im verspannten Zustand Hindernisse zu überwinden. Zusätzlich kann so auch im Fall, daß nicht alle Räder aufliegen, Vortrieb erzeugt werden.

    Das Prinzip des Durchblasens eignet sich nicht, da die Vorbereitungszeit vor dem Einsatz zu groß ist.

    Das Gerät an einem Seil zu ziehen, scheitert an dem Aufwand, vorher ein Seil in den Kanal einzubringen.

    Zur Richtungsänderung wird das Prinzip der Panzersteuerung vorgesehen. Dieses Prinzip erfordert keine zusätzlichen mechanischen Bauteilen und läßt sich mit einfachen Mitteln elektronisch verwirklichen. Auf die Möglichkeit zur ferngesteuerten Richtungsänderung kann man nicht verzichten, da man sonst nicht in der Lage ist, mit dem Gerät unterschiedlich breite Kanäle zu bearbeiten bzw. Abzweigungen zu verfolgen.

    Die Preis- und Größenunterschiede zwischen den erhältlichen Monochrom- bzw. Farbkameramodulen im Vergleich zum Endprodukt ist sehr gering. Da eine Lösung, die nur Schwarz - Weiß Bilder liefert, einen billigen Eindruck macht, fiel die Entscheidung auf die Verwendung von Farbkameras. Um die Lagerkosten so gering wie möglich zu halten, sollen die Module, die schon bei DTI verbaut werden, zum Einsatz kommen.

    Zur Beleuchtung werden Leuchtdioden eingesetzt. Die Leuchtdioden sind zwar deutlich teurer als herkömmliche Glühbirnen, wiegen diesen Nachteil aber durch die längere Haltbarkeit auf. Außerdem sind sie stoßfest und entwickeln dank ihres besseren Wirkungsgrades weniger Abwärme. Ein weiterer großer Vorteil der Leuchtdioden ist deren geringe Bautiefe, da sie keine zusätzlichen Reflektoren benötigen.

    Da es unmöglich erscheint, ein Reinigungsgerät zu entwickeln, mit dem man alle Arten von Verschmutzungen entfernen kann, wird eine einfache Schnittstelle zum Anschluß von verschiedenen Arbeitsmodulen vorgesehen. Im Rahmen meiner Diplomarbeit wird aus Zeitgründen nur ein einfaches Bürstwerk entwickelt, das jedoch problemlos durch andere Module ersetzbar ist.

    6 Berechnungen

    6.1 Lagerlebensdauerberechnug der Radlager


     
     
     
     

    Gegeben sind:

    Die Lagermittelpunktsabstände: 
    Raddurchmesser: 
    Zähnezahl des Zahnrades: 
    Modul des Zahnrades: 
    Eingriffswinkel des Zahnrades: 
    Maximales Abtriebsmoment: 
    Drehzahl: 
    Radandruckskraft: 
    Lagertragzahlen der Kugellager: 
     

    Kräfte am Zahnrad:
     



    Kräfte am Rad:
    Berechnung der Resultierenden Lagerkräfte:

    Kräftegleichgewicht in y Richtung

    Momentengleichgewicht um z bezüglich R
    Das Auflösen des Gleichungssystems ergibt

    Kräftegleichgewicht in z Richtung
    Momentengleichgewicht um y bezüglich R
    Das Auflösen des Gleichungssystems ergibt

    Daraus ergeben sich die resultierenden Radiallagerkräfte  und 

    Eingesetzt in die Lebensdauergleichung
    mit für Kugellager ergibt sich für die beiden Lager eine Lebensdauer von  mio Umdrehungen ,  mio Umdrehungen. Bei einer Tagesarbeitszeit von 8 Stunden und 300 Arbeitstagen pro Jahr ergeben sich für Lager A 6 Betriebsjahre und für Lager B 6927 Betriebsjahre. Trotz der hohen Lebensdauer des Lagers B ist es aus Herstell- und Montagegründen nicht sinnvoll, ein kleineres Lager einzusetzen.
     
     

    6.2 Zylindrische Presspassung

    Ermittlung der Toleranzen und der Fügetemperatur für die zylindrische Presspassung zwischen Abtriebszahnrad Bauteil LR 01 01 07 und Abtriebswelle Bauteil LR 01 01 04
     

    Gegeben:

    Nenndurchmesser: 
    Länge der Presspassung: 
    Außendurchmesser der Nabe: 
    Zu übertragendes Moment: 
    Material der Welle: 
    Material des Zahnrades: 
    Rauhtiefe von Welle und Nabe: 
    Querkontraktionszahl für Stahl: 
    Elastizitätsmodul für Stahl: 
    Wärmeausdehnungskoeffizient: 
    Raumtemperatur: 
    Haftreibungsbeiwert für Stahl: 
    Streckgrenze V2A: 
    Streckgrenze 9SMn28K: 
     
     

    Der minimal erforderliche Fügedruck ergibt sich aus

    Der maximal zulässige Fügedruck ist das Minimum von

      mit

    Das mindestens erforderliche wirksame Übermaß () ergibt sich bei einer Vollwelle zu
    Das maximal zulässige wirksame Übermaß ist entsprechend
    Um die zu fertigenden Passmaße  und  zu erhalten, muß zu den oben ermittelten wirksamen Übermaßen der durch die Glättung von Oberflächenrauheiten beim Fügen entstehende Übermaßverlust addiert werden.

    Bei der gewählten Passung 10 H7 u6 ergeben sich Übermaße von  und . Das führt zu einer Fügetemperatur von mindestens

    7 Das Produkt

       
    In diesem Kapitel wird das im Rahmen der Diplomarbeit entstandene Produkt vorgestellt. Bei der Konstruktion des Luftkanalroboters wurde höchster Wert auf Zuverlässigkeit und Robustheit gelegt. Obwohl es für den vorgesehenen Einsatzbereich nicht unbedingt nötig ist, ist der LuRo vollständig wasserdicht ausgeführt, um ein einfaches Reinigen zu ermöglichen und um Verschmutzungen von den Antriebsgetrieben sicher fernzuhalten.

    Um den Fertigungsaufwand und die Lagerkosten so klein wie möglich zu halten, werden möglichst wenig neue Einzelbauteile verwendet. Die elektrischen Steckverbindungen, die Antriebsmotoren und die Kameramodule werden auf Typen beschränkt, die schon im Firmensortiment vorhanden sind. Ein Großteil der verwendeten Kugellager und Dichtungen ist ebenfalls schon Bestandteil anderer Produkte. Alle Eigenbauteile sind auf den vorhandenen Maschinen mit den vorhandenen Werkzeugen leicht zu fertigen. Außerdem wiederholen sich große Teile der NC-Programme zur Fertigung der Einzelteile. An dem in der Produktpalette vorhanden Mobilsteuerstand sind nur kleine Änderungen nötig, um ihn auch für den LuRo einsetzen zu können.

    Die Gestehungskosten für den LuRo zusammen mit dem entwickelten Bürstmodul liegen bei Einzelfertigung bei ca. 9000 DM. Dieser Preis ergibt sich aus den zum Teil geschätzten Herstellkosten von Eigenbauteilen, sowie den Einkaufspreisen für Zukaufteile, welche in den Stücklisten aufgeführt sind. Bei größerer Nachfrage können die Herstellkosten deutlich gesenkt werden. Zum einen durch günstigere Einkaufspreise und zum anderen indem verschiedene Teile nicht mehr gefräst werden, sondern im Spritzgußverfahren hergestellt werden.


    Abbildung 3: Explosionsansicht des LuRo
     

    7.1 Gesamtaufbau

    Der LuRo besteht aus zwei Fahrwerkseinheiten. Die Antriebselemente der Fahrwerkseinheiten sind identisch aufgebaut. Die untere Einheit enthält die Anschlusselemente für das Versorgungskabel und die Anschlüsse für mögliche Arbeitsmodule. Zusätzlich ist am unteren Modul ein Gabelkopf montiert, an dem ein Bergeseil befestigt wird, um den Roboter im Falle einer Antriebsstörung zurückziehen zu können.

    Der obere Teil enthält zwei schwenkbare Farbkameramodule mit der dazugehörenden Diodenbeleuchtung. Beide Fahrwerkseinheiten sind über zwei Pneumatikzylinder miteinander verbunden. Für besonders flache Querschnitte ist es möglich, den unteren Teil auch eigenständig zu betreiben. Dadurch verliert man aber die Vorteile des sicheren Haltes im Rohr und den der hohen Zugkraft. Zusätzlich muß man in diesem Fall eine kleine Kamera mit integrierter Beleuchtung montieren.
     
     

    7.2 Verspannmechanismus

    Da im Luftkanal nur sehr wenig Platz zur Verfügung steht, werden beim LuRo zwei einfach wirkende Pneumatikzylinder mit verstärkten Kolbenstangen und vergrößerter Führungslänge eingesetzt, damit auf eine zusätzliche Führung verzichtet werden kann. Um ein Verkanten der Pneumatikzylinder zu vermeiden und eine optimale Auflage der Räder an eine unebene Kanaloberfläche zu ermöglichen, werden zwischen der oberen Einheit und den Kolbenstangen Gummidämpfer montiert. Für die größeren Rohrquerschnitte können die Pneumatikzylinder mit wenigen Handgriffen und ohne die gedichteten Fahrwerksgehäuse zu öffnen durch längere Modelle ersetzt werden. Dadurch wird dann auch die Überwindung größerer Durchmessersprünge möglich. Der Luftdruck in den Pneumatikzylindern wird vom Operateur über einen Druckminderer am Steuerstand in einem Bereich von 0-6 Bar eingestellt. Das führt bei dem Kolbendurchmesser von 30 mm zu einer maximalen Anpresskraft der Fahrwerke von ca. 450 N. Zum Verspannen werden keine Federn verwendet, um ein Festhaken des Fahrwerks im Störfall zu vermeiden.

    7.3 Antrieb und Lenkung

    Um Hindernisse gut zu überwinden und einen optimalen Vortrieb zu erzeugen, werden alle Räder des LuRo angetrieben. Dazu stehen in jedem Modul zwei leistungsstarke Getriebemotoren der Firma Faulhaber zur Verfügung. Diese treiben über ein Verteilergetriebe jeweils ein seitliches Radpaar an. Durch die elektrische Parallelschaltung der Motoren für die linke bzw. für die rechte Antriebsseite wird zwischen den beiden Modulen eine nahezu gleiche Verteilung der Antriebsmomente zwischen Ober- und Unterteil erreicht. Die Trennung der Antriebe für die linke und rechte Seite ermöglicht es, den LuRo ohne zusätzliche Mechanik zu lenken, indem die Motorpaare mit unterschiedlichen Spannungen versorgt werden (Panzersteuerung). Um die Steuerung des Fahrzeugs für den Benutzer so einfach wie möglich zu halten, werden die über einen analogen Joystick eingegebenen Richtungssignale für vorwärts - rückwärts und links - rechts im Steuerstand durch einen, von einem Mikrocontroller gesteuerten, Mixer aufbereitet, bevor sie an die Leistungstreiber für die Motoren weitergeleitet werden. Dies ermöglicht ein einfaches Justieren der Potentiometer und ein Drehen auf der Stelle. Die Räder bestehen aus einer hochwertigen Eigenbaunabe auf der mit Schaumgummi gefütterte Gummireifen aufgespannt werden.

    7.4 Kameras mit Beleuchtung

    Für die Erfassung der Umgebung sind im oberen Fahrwerk zwei Farbkameramodule eingebaut. Diese haben ein lichtstarkes Objektiv mit einem fest eingestellten Schärfebereich von 10 bis 200 cm. Ihr Blickwinkel beträgt 50°. Um einen höheren Blickwinkel zu erreichen, können die Kameramodule mit einer im Fahrwerk eingebauten Rudermaschine ferngesteuert werden. Dadurch können sie zusätzlich um 25° nach oben und unten geschwenkt werden. Um nach links und rechts zu schwenken, kann man das gesamte Fahrzeug lenken.

    Für die nötige Beleuchtung des Kanals sorgen pro Kameramodul 36 ultrahelle weiße Leuchtdioden, die in der Kameraabdeckung vergossen werden. Diese Leuchtdioden bieten bei einer hohen Lichtausbeute gleichzeitig eine verhältnismäßig niedrige Abwärme und eine hohe Lebensdauer. Außerdem sind sie im Gegensatz zu herkömmlichen Glühbirnen stoßunempfindlich.

    7.5 Arbeitsmodul zum Bürsten

    Um den geplanten Prototyp auch vernünftig testen zu können, wird neben dem Fahrzeug auch ein Anbaumodul zum Bürsten der Luftkanaloberfläche in Rohren mit niedrigem Querschnitt konstruiert. Dieses besteht aus einem elektrisch angetriebenen Schneckenradgetriebe zum Schwenken des Haltearms und zwei Getriebemotoren zum Antreiben der Bürstenträger. Auf den Bürstenträger können Bürsten mit verschiedenen Borsten montiert werden. Es ist zum Beispiel möglich, für festsitzende Verschmutzungen Drahtbürsten zu montieren. Auch das Bürstenmodul ist wasserdicht ausgeführt.

    Auf den folgenden Seiten sind einige Ansichten des LuRo mit und ohne montiertes Bürstmodul zu sehen. Um mehr Details erkennen zu können, sind die Gehäuseteile zum Berechnen der Bilder durchsichtig gewählt. Im fertigen Produkt sind diese jedoch aus Aluminium.

       

    Abbildung 4: Explosionsansicht des Bürstmoduls

    Abbildung 5: LuRo mit montiertem Bürstmodul von hinten

    Abbildung 6: LuRo in kleinst möglichem rechteckigem Rohrquerschnitt

    Abbildung 7: LuRo von der Seite
     

    8 Methodenkritik 3D CAD

       
    In diesem Kapitel werden die Vor- und Nachteile erörtert, die sich bei dem Einsatz eines parametrischen 3D CAD Systems im Vergleich zu einem 2D CAD System ergeben. Dies erfolgt anhand einer Kosten Nutzen Abwägung.

    8.1 Kosten eines 3D CAD-Systems

    8.2 Nutzen eines 3D Systems

    Zusammenfassend läßt sich also sagen, daß sich der Einsatz eines 3D CAD Systems durchaus auch für kleinere Betriebe mit eigener Konstruktion lohnt. Die Kosten, die durch die Einführung und das Training der Mitarbeiter entstehen, sollten aber nicht unterschätzt werden.
     

    9 Literaturverzeichnis

      W. Breitz und K.- H. Grote
      Dubbel Taschenbuch für den Maschinenbau
      Springer, 19. Auflage

      K.+ R. Gieck
      Technische Formelsammlung
      Gieck Verlag, 30. deutsche Auflage

      Mädler GMBH
      Katalog 2000 Antriebselemente und Normteile
      Maxxon Motor GMBH

      Hauptkatalog 2000 hochpräzise Antriebe
      Faulhaber Group

      Antriebsysteme Katalog 2000
      SKF

      Wälzlager
      Katalog Dd7420 1992-04
      SKF

      Gleitlager
      Katalog 3500 T/III
      INA Wälzlager Schaeffler KG

      Nadellager & Zylinderrollenlager
      Katalog 306

      Microchip
      Embedded Control Handbook Volume 1
      Microchip Technology, USA 5/97, DS00092D

      MINK
      Hauptkatalog Bürsten

      FAG
      Kugellager Standardprogram

      Festo
      Produkte 2000 Antriebe

      Pneumax
      Pneumatik Hauptkatalog

      Piab
      Vakuumprodukte
      Katalog 1999

      Simrit
      Standardkatalog Dichtelemente

      Reiff
      Technische Produkte Standardprogramm
      Katalog 91/92